| Anmerkung:
Der
Name "Biber-Ständelwurz" leitet sich vom Lebensraum dieser unauffälligen
Art ab. In der Tat konnten wir bei Lyon im Biotop der Epipactis fibri zu
unserer großen Freude auch Biber beobachten.
Verbreitung:
Endemit
Frankreichs mit ausschließlichem Vorkommen (nach derzeitigem Wissenstand)
im Rhône-Tal südlich Lyon in den Departements Ardèche, Drôme, Isère,
Loire und Rhône. Höhenverbreitung:
zwischen 90 und 160 m Standort:
Pappelforste und Eschen-Ulmen-Bestände im Auengebiet der Rhône über
frischem, mäßig saurem Untergrund. Auf den ersten Blick scheinen
die Biotopsansprüche der morphologisch ähnlichen Arten Epipactis
fibri und albensis beinah gleich zu sein. Jedoch hatten wir den Eindruck,
dass Epipactis fibri eine, in Bezug auf ihre Seltenheit und sehr beschränkte
Verbreitung bemerkenswerte Variabilität
der Standort-anforderungen aufwies. Scheint sie einmal ein Areal besiedelt
zu haben, ist sie in der Lage, sehr schattige Stellen in relativ dichtem aber
unterwuchsarmen (!) Pappelforst ebenso zu vertragen, wie auch teilweise vollbesonnte,
wiesige Bereiche. Sie ist unseres Erachtens keine ausgesprochene Schattenpflanze!
Außerdem scheint das Lichtangebot auch keine primäre Auwirkung auf
die Vitalität der einzelnen Pflanzen zu haben, da wir keine Unterschiede
diesbezüglich feststellen konnten. Was sie allerdings meidet, ist zu dichter
Unterwuchs. Selbst der Mittagssonne (!) ausgesetzte Straßengräben und
deren Ränder sind kein Problem, vorausgesetzt die begleitende Vegetation
hält sich in Grenzen. Die unmittelbare Nähe zu Pappeln scheint sie zu
suchen. In ihren Biotopen findet sich als weitere Ständelwurzart noch
Epipactis helleborine. Blütezeit:
ist extrem lang
und standortabhängig. Die ersten Pflanzen an den lichtbegünstigteren
Stellen beginnen bereits Mitte Juli ihre Blüten zu öffnen. An den schattigen
Plätzen beginnt der Großteil jedoch erst in der zweiten Augusthälfte
zu blühen. Es wurden von H. PRESSER Anfang November
neben blühenden, fruchtenden und aussamenden Exemplaren sogar noch austreibende
(!) gefunden. Ein derart ausgedehntes "Blühzeitfenster" wurde
von noch keiner anderen europäischen Orchideen-Art nachgewiesen.
Merkmale:
Habitus: relativ
schlanke, etwas stelzig wirkende Pflanze mit einer Wuchshöhe zwischen 15
und 25 (40) cm, mit oftmals nur einem, selten aber auch 3 oder mehr Trieben aus
dem Rhizom Stängel
relativ dünn, hellgrün, an der Basis unterhalb des Niederblattes
weißlich bis ganz leicht violett angehaucht; im Blütenstandsbereich
sehr kurz, weißlich behaart Niederblatt
1-2, oval, grün, scheidig, zungenförmig, nach oben gerichtet Laubblätter
3 - 5, relativ hoch über dem Boden ansetzend, schmal-oval, ausgebreitet,
bogig überhängend mit leicht gewellten Rändern. Allgemein sind
die Blätter denen der E. albensis sehr ähnlich, jedoch sind sie
aufgrund der höheren Temperaturen (?) derber und ledriger als bei E. albensis
und im Schnitt deutlich kleiner. Hochblätter
1, Form wie Laubblätter, in der Größe etwas kleiner als
die Laubblätter Brakteen: das untere
ähnlich wie bei E. albensis groß und Laubblatt-ähnlich,
aber kleiner als bei E. albensis, das zweite bereits wesentlich kleiner
und nach oben hin immer kleiner werdend. Blütenstand
locker, mehr oder weniger einseitswendig, in der Dichte und Anzahl der Blüten
sehr variabel, was aber nicht vom Lichteinfluss abhängig zu sein scheint. Durchschnittlich
mit 12 Blüten besetzt, kräftige Exemplare können auch über
30 Blüten aufweisen Fruchtknoten länglich-schlank,spärlich
und extrem kurz behaart, komplett grün gefärbt Blüten
sehr klein, von außen grün, gerade vom Stängel abstehend bis leicht
hängend (Stellung der Blüten vergleichbar mit E. albensis).
Sepala
außen wie innen stets grün ohne jegliche Rottönung,
außen mit hervortretendem Mittelnerv, seitliche 8 mm lang und 4 mm breit,
nur glockig öffnend Petala
lanzettlich, 6 mm lang und 4 mm breit, weißlich-grün, nur wenig
heller als Sepala, ebenfalls stets ohne (!) Rottöne und schmäler als
bei E. albensis Hypochil (Lippenhinterteil)
napfförmig, in den allermeisten
Fällen rein grün, ganz selten etwas rot-violett angehaucht, am Grunde
glatt und meist ohne Nektar Durchgang
vom Hypochil zum Epichil weit "V"- förmig Epichil
(Lippenvorderteil)
im Zentrum weißlich, an den aufgebogenen Rändern grün, dem albensis-Epichil
sehr ähnlich. Unterschiede gibt es aber am Übergang von Hypochil zu
Epichil. Während das Epichil bei albensis mit einer relativ lang ausgezogenen
Falte aus dem Hypochil hervortritt, sitzt es bei E. fibri durch eine"gedrängtere"
Falte der Vorderkante des Hypochils förmlich auf. Säule
zur Fruchtknotenachse längs verlaufend bis leicht nach oben gerichtet,
Anthere gestielt und etwas spitzer und kleiner als bei E. albensis, Klinandrium
relativ kurz, Rostellum fingerförmig zwischen die Pollinien geschoben mit
von vorn sichtbarem, rudimentären und funktionslosem Viscidium (!). Der
Narbenbereich ist im Gegensatz zu E. albensis eckiger, kissenförmig
ausgebildet. Pollinien gelblich, im Knospenstadium
noch als kompakte Pakete im Klinandrium liegend, im Verlaufe der Anthese werden
Sie über den oberen Narbenrand hinausgeschoben,
werden bröselig und "quellen" auf die Narbenfläche Bestäubung
obligat autogam
Hybriden:
keine bekannt | | | | | | | | | | | | | | | | |