| | | Wuchshöhe
15- 60 cm. Aus einem starken
Rhizom können bis zu 20 Triebe entwickelt werden, so dass öfters Grüppchenbildung
zu beobachten ist. Der Stängel ist gerade und relativ dick. Die untersten
Laubblätter sind verhältnismäßig weit über dem Untergrund
angesetzt und umschließen den Stängel. Weiterhin sind die wenigen Laubblätter
kürzer als bei E. helleborine , steif, stängelumfassend und ca.
45° nach oben stehend. Die Länge beträgt das 1- bis max. 1,5-fache
der Internodien (Abstände zwischen den Blattansätzen). Der Blütenstand
ist sehr lang gestreckt, schlank und vielblütig.
Die Blüten sind groß, weit geöffnet und im Gegensatz zu
Ep. helleborine nur blass gefärbt. Die Perigonblätter sind etwas
glockig zusammengeneigt, die Sepalen innen blassgrün, außen manchmal leicht
rosa gefärbt und eiförmig lanzettlich geformt. Die kleineren Petalen
sind weißlich bis blassrosa gefärbt und auch breit lanzettlich geformt.
Bei E. distans sind breite Petalen mit einem schmalen Lippenvorderteil,
welches etwas kleiner als bei helleborine ist, kombiniert. Das Verhältnis
liegt zwischen 0,7 -0,8 (Epichil/ Petalen). Das herzförmige Epichil
ist weiß bis blassrosa , der Mittelkiel grünlich- braun bis kräftiger
rosa gefärbt. An der Blüte läßt sich Ep. distans
von Ep. helleborine nur sehr schwer unterscheiden, da alle Merkmale und
eventuelle Abweichungen in das Variationsspektrum von Ep. helleborine fallen
können. Allerdings sind die Blüten bei Ep. distans in der Regel
etwas blasser, auf dem Epichil findet man bei ep. distans einen intensiver und
deutlich ausgeprägten Mittelkiel. Ausschlaggebend für die Unterteilung
sind vor allem die vegetativen Pflanzenteile, insbesondere der auffällige
Habitus mit seinen kleinen, schräg aufwärts gerichteten löffelförmigen
Blätter. Die verkleinerte Blattoberfläche und der relativ weite
Abstand des ersten Laubblattes vom Boden weisen auf die Anpassung an warme und
trockene Standorte hin. Ein weiterer Unterschied zu Ep. helleborine
ist der frühere Blühtermin. Sie blüht ungefähr zur gleichen
Zeit wie Ep. atrorubens und somit ca. 10-14 Tage vor Ep. helleborine
im gleichen Biotop. Ihre Gesamtverbreitung ist noch nicht gänzlich erforscht,
da diese Art erst 1992 "wiederentdeckt", jedoch bereits 1872 als Epipactis
distans beschrieben wurde. Nach derzeitigem Wissenstand erstreckt sich das
Gebiet im Westen bis zu den Pyrenäen über die Alpen in den Osten bis
Tschechien und nördlich bis Mittelschweden. Ihre Biotopsansprüche
teilt sie mit E. atrorubens, welche ein steter Begleiter ist. So
steht sie meist fast unbeschattet auf flachgründigen Böden über
Schotter- und Felsuntergrund, mit wenig Wasserspeichervermögen.
Aber auch Ep. helleborine kann
in ihrer unmittelbaren räumlichen Umgebung vorkommen, die aber wie bereits
erwähnt später blüht und generell keine allzu spezifischen Ansprüche
an ihre Standorte stellt. Epipactis distans hingegen schon! Sie ist
kalkstet und praktisch immer in der Nähe von Kiefern zu finden, was auf eine
spezielle Bindung an einen Wurzelpilz der Kiefer hindeuten könnte. Schattige
Stellen meidet sie. Einzelpflanzen können sich zwar ab und an auch einmal
an schattigere Bereiche "verirren", werden aber in der Regel von heller
stehenden, typischen Pflanzen begleitet. Ihre Blütezeit liegt in den
niedern Lagen Anfang bis Mitte, in der höheren subalpinen Stufe Ende Juli. Einen
detailierten, hochinteressanten Artikel über diese Art ist 2006 von W. WUCHERPFENNIG
veröffentlicht worden. (WUCHERPFENNIG, W. (2006) Jour.
Eur. Orch. 38 (3): 625 - 666: Wie nützlich sind Merkmale des Habitus für
die Bestimmung von Epipactis- Arten? - 2. Epipactis distans und Epipactis
helleborine subsp./var. orbicularis In dieser Arbeit
wird ausfühlich dargelegt, dass die mitteleuropäischen Populationen
mit den französischen identisch
sind, sowie Ep. distans keine Unterart von Ep. helleborine ist,
sondern im Art- Rang geführt werden sollte.
| | | | | | | | |