Orchis quadripunctata CIRILLO ex TENORE (1812)

Vierpunkt-Knabenkraut
Syn.:
Orchis hostii
TRATTINNICK 1814
Orchis bipunctata RAFINESQUE 1814
Anacamptis quadripunctata
(CIRILLO ex TENORE) LINDLEY 1835
Gymnadenia humidis LINDLEY 1835
Anacamptis trichocera K. KOCH 1849

Standort: Die Wuchsorte sind meist vollsonnig bis nur leicht beschattet auf steinigen, trockenen basischen Böden.
Sie besiedelt Magerrasen, lichte Kiefernwälder, steinige Böschungen, Phrygana und relativ trockene Olivenhaine. In ihrer Gesellschaft finden sich meist viele weitere Orchideenarten. Auf Kreta beispielsweise Orchis italica, Orchis pauciflora, und etliche Ophrys-Arten.

Verbreitung:
Orchis quadripunctata ist eine Art des östlichen und zentralen Mittelmeerraumes. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Westen bis Süditalien, im Norden besitzt sie Vorkommen im kroatischen Dalmatien, südlich erreicht sie die griechischen Ägäisinseln mit Kreta und die südlich von Kreta gelegene Insel Gavdos. Nach Osten bilden die Inseln Lesbos und Samos die Grenze. In der Türkei ist sie nur von einem Standort an der Südküste des Marmara- Meeres bekannt.
Auf Kreta ist sie beinah auf der gesamten Insel verbreitet, scheint aber östlich des Thripti-Massivs nicht vorzukommen.
An geeigneten Standorten kann sie sehr stattliche und individuenreiche Populationen bilden.
0 - 1500 m

Anmerkung:
Meldungen von Zypern beziehen sich laut neuerer Literatur auf fertile Hybridsippen zwischen Orchis anatolica und Orchis quadripunctata. Von einigen Autoren werden diese als eigene Art geführt, nämlich Orchis xsezikiana, von anderen wird dies aus Gründen der nomenklatorischen Stabilität abgelehnt.
Etwas unklar erscheint uns dabei jedoch nur, wie es bei Fehlen des Elters O. quadripunctata zu diesen Hybriden kommen konnte, da Zypern geographisch von den Vorkommensschwerpunkten wie Kreta verhältnismäßig weit entfernt liegt,
Eine Besiedlung der Hybridsippe durch windübertragenen Samen halten wir aufgrund der großen Entfernungen für eher unwahrscheinlich, wie auch das alleinige Verschwinden dieser, im Falle eines Vorkommens meist zahlreich erscheinenden und in geeigneten Biotopen nachwuchsstarken Art Orchis quadripunctata.
In BUTTLER, K.-P. Orchideen- Die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrika (1986) wird links auf der Seite 133 ein Blütenstand von Limassol abgebildet, der sich unseres Erachtens problemlos als Orchis quadripunctata bestimmen lässt.
Ein gesicherter Nachweis von Orchis quadripunctata von Zypern würde die Theorie einer Mischsippe ohne nomenklatorischen "Wert" als plausibler erscheinen lassen.

Blütezeit:
auf Kreta von (Mitte) Ende März bis Ende April, je nach Höhenlage

Merkmale:
Habitus: mit einer Wuchshöhe von 10 - 20 cm, in seltenen Fällen bis 40 cm, eher kleine Pflanze, Stängel im oberen Bereich inklusive der Fruchtknoten oft rötlich-violett überlaufen, am Stängelgrund mit 2 - 6 grünen, oftmals gefleckten schmalen, linealisch bis schmal elliptischen, am Rand glatten Laubblättern in einer Rosette, nach oben 1 - 3 weitere stängelumhüllende folgend
Blütenstand: zylindrisch, relativ lockerblütig mit bis über 30 farblich von seltener weiß, zartrosa bis dunkelviolett variierenden kleinen Blüten besetzt,
Tragblätter häutig, in etwa so lang wie der Fruchtknoten

Sepala: alle drei in beinah einer Ebene weit abgespreizt, eiförmig mit abgerundeter Spitze, alle drei annähernd gleich groß, etwa 4 - 7 mm lang und bis zu 4 mm breit.
Petala: deutlich kleiner, nur 2 - 5 mm lang und helmförmig über die Säule zusammengeneigt
Lippe
mit einer Länge bis zu 8 mm und einer Breite bis zu 11 mm relativ klein, tief dreilappig mit kaum oder gar nicht vorgezogenem Mittellappen, welcher am Ende abgerundet oder leicht geteilt sein kann, Seitenlappen mindestens so breit wie der Mittellappen,
Lippe am Lippengrund weißlich mit den namensgebenden dunkelroten Punkten, von denen meist 2 vor dem Sporneingang und weitere zwei,
nicht sofort erkennbar, dahinter, nah
am Sporneingang sitzen
Anzahl der Punkte ist wie die Lippenform und
-färbung recht variabel.
Sporn: lang fadenförmig, 8 - 14 mm lang und nach unten gerichtet.

27.03.2005 Vatos
27.03.2005 Vatos - Habitus -
19.03.2005 Melambes
29.03.2007 Gerakari - ein Größenvergleich -

Hybriden:
mit Orchis anatolica, Orchis pauciflora, Orchis sitiaca und Orchis provincialis bekannt.

23.03.2005 Vrisis - Einzelblüte; ein weiteres Punktepaar sitzt meist weiter hinten, nahe am Sporneingang -
23.03.2005 Vrisis
28.03.2005 Akoumia
31.03.2005 Grigoria - im Biotop -
31.03.2005 Grigoria - nicht selten sind auch die grundständigen Laubblätter etwas rötlich überlaufen -