Ophrys corsica SOLEIROLI ex G. &. W. FOELSCHE (2002)

Korsika-Ragwurz
Bas.: Ophrys corsica SOLEIROLl ex G. & W. FOELSCHE 2002
Syn.: Ophrys lutea ssp. corsica KREUTZ 2007

Anmerkung: Auf Sardinien stellt sich einem das Thema um Ophrys lutea s.l. wesentlich komplexer dar als auf Korsika.
Wir fanden eine typische Ophrys sicula nur als Einzelpflanze bei su Gologone in der Provinz Nuoro.
Bei dieser sind wir uns (soweit man das in diesem Komplex überhaupt sein kann) sicher, dass es sich um Ophrys sicula s.str. handelte.
Individuenreiche Populationen in der Provinz Sassari waren extrem heterogen. Vor allem die Dimensionen aller Pflanzenteile schwankten enorm.
Die Blüten dieser Pflanzen jedoch tendierten eindeutig in Richtung Ophrys lutea, wobei jedoch nur von sehr wenigen ein größerer Lippendurchmesser als 12 mm erreicht wurde und somit eigentlich zu klein für Op. lutea s.str. sind.
Für die ostmediterran verbreitete Ophrys phryganae waren uns die basalen Lippenwülste der sardischen Pflanze zu klein und zu behaart. Außerdem ist bei Ophrys phryganae der Narbenkopf etwas schmäler und höher, die Seitenlappen reichen nur selten an den Mittellappen der Lippe heran oder überdecken ihn gar, was bei den sardischen recht oft der Fall war.
Mit Ophrys phryganae sind sie unseres Erachtens nicht identisch und für Ophrys lutea im Schnitt viel zu kleinblütig.
Aus diesem Grunde stellen wir den Großteil der von uns gefundenen sardischen Pflanzen aus dem Ophrys lutea- Komplex zu Ophrys corsica.

Standort: bevorzugt flachgründige, trockene bis leicht moosige Böden über Kalk, steht in Dünensenken aber auch über Granit; gedeiht an vollsonnigen bis halbschattigen Plätzen in lichter, kniehoher Macchia, Trockenhängen mit Grasbewuchs, Weges- und Straßenränder.
Steht gern etwas im Schutz von Macchia-Gebüschen.

Blütezeit:
relativ spät, (Mitte-Ende März) Anfang April bis Mitte (Ende) Mai

Verbreitung:
Schwerpunkt Südkorsika und Mittel- Nord- Sardinien; über Kalk; ob die süd-sardischen Vorkommen auch zu Ophrys corsica zählen, ist noch offen.

Merkmale:
Habitus: vor allem in der vom Wind ungeschützten Küstenregion oder exponierten Stellen meist sehr kleine Pflanze, die aber an geschützteren Wuchsorten (Straßenböschung, höhere Macchia) durchaus eine Höhe von 30 cm erreichen kann. Blütenstand kurz, kleine Pflanzen oft nur ein- bis zweiblütig, kräftige Exemplare bis zu 10 Blüten tragend.
Sepala grün mit umgeschlagenen Rändern, das mittlere ist über die Säule geneigt, 7,5-90 mm lang und 4,5-5,5 mm breit
Petala gelblich grün mit kaum oder keinem Kontrast zu den Sepala 5-7 mm lang, 1,8-2,6 mm breit, leicht oval bis parallel zur Längsachse geformt und stumpf endend.
Narbenkopf relativ dick mit kleiner Narbenhöhle, die deutlich breiter als hoch ist.

Lippe dreigeteilt, relativ klein, 8-13,5 mm lang und ausgebreitet 7-11 mm breit, Basis gelblich grün, breit gefurcht und verläuft beinah im Rechten Winkel zur Vorderkante der Narbenhöhle; Lippe knickt am Beginn des Males deutlich knieförmig nach unten ab.
Die Seitenlappen können den Mittellappen wie bei Ophrys lutea überlappen, jedoch können die Einschnitte auch breit und deutlich sichtbar sein, so dass dies als konstantes Artmerkmal untauglich ist.
Das Lippenzentrum ist braun gefärbt, konvex bis stark gewölbt, Lippenränder gelb, relativ breit, in der Regel flach auslaufend, teilweise leicht nach oben gebogen sein, aber nie umgebörtelt.
Behaarung: kurz und weißlich im Basis- und Malbereich, etwas länger im braunen Lippenzentrum, die gelben Lippenränder sind kahl, lediglich im Übergangsbereich zum Zentrum noch leich behaart.
Pollinator: Andrena hesperia

08.04.2007 Ittiri
02.04.2007 Laconi
08.04.2007 Ittiri - Habitus -
08.04.2007 Ittiri - ein Größenvergleich im Millimeterraster -
Hybriden:
mit Ophrys marmorata.

Literaturnachweis:
FOELSCHE G. & W. FOELSCHE Journ. Eur. Orch. 34 (4): 2002
FOELSCHE G. & W. FOELSCHE Journ. Eur. Orch. 37 (4): 2005

08.04.2007 Ittiri - ein Größenvergleich im Millimeterraster
08.04.2007 Ittiri
08.04.2007 Ittiri - sie standen tatsächlich so eng umschlungen, grad so, als wollten sie sich miteinander messen -
08.04.2007 Ittiri - im Biotop -
02.04.2007 Laconi