| | Anmerkung:
Auf
Sardinien stellt sich einem das Thema um Ophrys lutea s.l. wesentlich komplexer
dar als auf Korsika. Wir fanden eine typische Ophrys sicula nur als
Einzelpflanze bei su Gologone in der Provinz Nuoro. Bei dieser sind wir uns
(soweit man das in diesem Komplex überhaupt sein kann) sicher, dass es sich
um Ophrys sicula s.str. handelte. Individuenreiche Populationen in der
Provinz Sassari waren extrem heterogen. Vor allem die Dimensionen aller Pflanzenteile
schwankten enorm. Die Blüten dieser Pflanzen jedoch tendierten eindeutig
in Richtung Ophrys lutea, wobei jedoch nur von sehr wenigen ein größerer
Lippendurchmesser als 12 mm erreicht wurde und somit eigentlich zu klein für
Op. lutea s.str. sind. Für die ostmediterran verbreitete Ophrys
phryganae waren uns die basalen Lippenwülste der sardischen Pflanze zu
klein und zu behaart. Außerdem ist bei Ophrys phryganae der Narbenkopf
etwas schmäler und höher, die Seitenlappen reichen nur selten an den
Mittellappen der Lippe heran oder überdecken ihn gar, was bei den sardischen
recht oft der Fall war. Mit Ophrys phryganae sind sie unseres Erachtens
nicht identisch und für Ophrys lutea im Schnitt viel zu kleinblütig. Aus
diesem Grunde stellen wir den Großteil der von uns gefundenen sardischen
Pflanzen aus dem Ophrys lutea- Komplex zu Ophrys corsica.
Standort:
bevorzugt flachgründige, trockene bis leicht moosige Böden über
Kalk, steht in Dünensenken aber auch über Granit; gedeiht an vollsonnigen
bis halbschattigen Plätzen in lichter, kniehoher Macchia, Trockenhängen
mit Grasbewuchs, Weges- und Straßenränder. Steht gern etwas im
Schutz von Macchia-Gebüschen.
Blütezeit:
relativ spät, (Mitte-Ende März) Anfang April bis Mitte (Ende) Mai
Verbreitung:
Schwerpunkt Südkorsika und Mittel- Nord- Sardinien; über Kalk; ob die
süd-sardischen Vorkommen auch zu Ophrys corsica zählen, ist noch
offen. Merkmale:
Habitus: vor allem in der vom Wind ungeschützten Küstenregion
oder exponierten Stellen meist sehr kleine Pflanze, die aber an geschützteren
Wuchsorten (Straßenböschung, höhere Macchia) durchaus eine Höhe
von 30 cm erreichen kann. Blütenstand kurz, kleine Pflanzen oft nur ein-
bis zweiblütig, kräftige Exemplare bis zu 10 Blüten tragend.
Sepala grün mit umgeschlagenen Rändern, das mittlere ist über
die Säule geneigt, 7,5-90 mm lang und 4,5-5,5 mm breit Petala
gelblich grün mit kaum oder keinem Kontrast zu den Sepala 5-7 mm lang, 1,8-2,6
mm breit, leicht oval bis parallel zur Längsachse geformt und stumpf endend.
Narbenkopf relativ dick mit kleiner Narbenhöhle, die deutlich breiter
als hoch ist.
Lippe dreigeteilt, relativ klein, 8-13,5 mm lang und ausgebreitet 7-11
mm breit, Basis gelblich grün, breit gefurcht und verläuft beinah im
Rechten Winkel zur Vorderkante der Narbenhöhle; Lippe knickt am Beginn des
Males deutlich knieförmig nach unten ab. Die Seitenlappen können
den Mittellappen wie bei Ophrys lutea überlappen, jedoch können
die Einschnitte auch breit und deutlich sichtbar sein, so dass dies als konstantes
Artmerkmal untauglich ist. Das Lippenzentrum ist braun gefärbt, konvex
bis stark gewölbt, Lippenränder gelb, relativ breit, in der Regel flach
auslaufend, teilweise leicht nach oben gebogen sein, aber nie umgebörtelt.
Behaarung: kurz und weißlich im Basis- und Malbereich, etwas länger
im braunen Lippenzentrum, die gelben Lippenränder sind kahl, lediglich im
Übergangsbereich zum Zentrum noch leich behaart. Pollinator:
Andrena hesperia | | |  | | | | | | |