Orchis brancifortii BIVONA-BERNARDI (1813)

Brancifortis Knabenkraut

Syn.:
Anacamptis brancifortii LINDLEY (1835)
Orchis quadripunctata ssp. brancifortii E.G. CAM., BERG. & A. CAM. (1908)
Orchis quadripunctata f. maculata J. & M. BALÁZ (1995)
Androrchis brancifortii D. TYTECA & E. KLEIN (2008)

Verbreitung:
Zentralmediterran.

Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf den Ostteil Sardiniens und den nördlichen Teil Siziliens.
Eine Ausnahme bildet ein kleines Vorkommen an der Südwest-Spitze Kalabriens, welche geographisch sehr nah an Sizilien liegt (DELFORGE, P. (2003) Natural. belges 84 (Orchid. 16 (2003): 55-94).
In ihren Lebensräumen bildet sie allerdings keine individuenreichen Populationen und ist generell eine selten anzutreffende Pflanze.
Höhenverbreitung von 200 - 1300 m,

Standort:

Obwohl sich ihre Vorkommen auf die Küstenstreifen im Norden Siziliens bzw. im Osten Sardiniens beschränken, sind küstennahe Lebensräume selten. Sie besiedelt hauptsächlich recht steinige Untergründe mit nur dünner Humusauflage und karger Begleitvegetation etwas weiter landeinwärts.
Bei Dorgali wächst sie halbschattig im Straßenrandbereich der lichten Steineichenbestände.
In ihrer Umgebung finden sich meist viele weitere Orchideenarten, da Orchis brancifortii auf kalkreiche Böden angewiesen ist.
Nachhaltig gefährdet sind die ohnehin recht wenigen Pflanzen auf Sardinien vor allem durch verwilderte Hausschweine, die ganze Populationen vernichten können, da sie diese bei ihrer Nahrungssuche inklusive aller Wurzelteile mit ihrem Rüssel aus dem Boden wühlen und vor allem die Knollen fressen.

Blütezeit:

von (Anfang) Mitte April bis Mitte (Ende) Mai, je nach Höhenlage

Merkmale:
Habitus:
Wuchshöhe 10-25 (-35) cm, etwas zierlicher und niedrigwüchsiger als Orchis quadripunctata;
am Grund mit 2 - 4 schmal- lanzettlichen, im Gegensatz zur sehr ähnlichen und nahe verwandten Orchis quadripunctata stets ungefleckt
, nach oben hin folgen 1 - 2 weitere, den Stängel umhüllende Blätter
Blütenstand locker mit 7 - 25 Blüten
Blüten weit geöffnet, sehr klein, die kleinsten in der gesamten Gattung Orchis überhaupt,
farblich variierend von hellrosa bis kräftig rosa, selten auch ganz weiß,
Sepala: mit 3 - 5 mm Länge nicht selten größer als die Lippe (!), seitliche wie auch das mittlere abstehend und in voll erblühtem Zustand in einer Ebene stehend, somit an der Helmbildung über dem Säulchen nicht beteiligt; an den Enden abgerundet, mit unauffälligem und leicht grünlichem Mittelnerv
Petala gleiche Färbung wie Sepala, deutlich kleiner als diese und nach vorn schützend über das Gynostemium geneigt
Lippe: 3 - 5.5 mm lang, tief dreiteilig, Seitenlappen sehr schmal rechteckig, glattrandig schräg bis rechtwinklig abgespreizt, an den Enden abgerundet;
Mittellappen in etwa doppelt so lang wie breit, leicht bespitzt endend.
Lippenzeichnung nur in Form von Punkten, davon zwei bis drei vor dem Sporneingang von der Lippenbasis bis zur Lippenmitte verteilt und zwei weitere Punkte (kaum sichtbar) hinter dem Sporneingang, ähnlich dem Vierpunkt- Knabenkraut (Orchis quadripunctata).
Sporn sehr dünn zylindrisch, waagerecht bis leicht abwärtsgerichtet, etwa kürzer als der Fruchtknoten, keinen Nektar führend.
Narbenhöhle breiter als hoch, seitlich des Sporneingangs mit zwei dunkel- violetten Punkten,
Narbe über dem Sporneingang mit ebenfalls dunkel purpurnen Randpartien, die man auf den ersten Blick ebenfalls für Flecken, ähnlich denen seitlich des Sporneingangs, halten könnte.

06.04.2007 Dorgali
31.03.2007 Dorgali
12.04.2007 Dorgali - Größenvergleich im Millimeterraster -
Hybriden:
keine bekannt.
12.04.2007 Dorgali - ein weiterer Größenvergleich -
12.04.2007 Dorgali - Einzelblüte frontal, seitlich des Sporneinganges sitzen die zwei hinteren Flecken -
06.04.2007 Dorgal - im Biotop mit Blick auf die Berge um Dorgalii